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aus www.msv.neuruppin.de, 08.10.2004

 

"Torhüter sind immer verrückt"

Marian Unger will zulegen - in jeder Hinsicht

"Ein Torhüter sollte etwa so viel wiegen wie er groß ist", sagt Marian Unger und schaut mit einem müden Lächeln an sich herunter. Er verweist auf Oliver Kahn, der bei 1,88 m Körpergröße seine 90 kg wiegt. Davon ist Unger weit entfernt: 1,87 m und 76 kg sind seine Daten. Ein Umstand, mit dem er sich nur ungern abfindet. Wenn Menschen mit einem Stoffwechsel wie Marian Unger ausgestattet sind - um den ihn übrigens viele Frauen beneiden würden - gibt es nur eine Chance: Muskeln zulegen. In nahezu jeder freien Minute stemmt er im Sportcenter Gewichte. Die Fitness ist wichtig, schließlich geht er als Keeper auf dem Platz immer genau dorthin, wo es weht tut. "Dafür werden wir Torhüter ja immer als verrückt erklärt", weiß er. Und trotzdem: Wenn Marian Unger als 12-Jähriger noch einmal gefragt würde: ‚Willst Du nicht mal ins Tor gehen?` - er würde immer wieder `ja` sagen. "Es ist meine Traumposition."
Angefangen hat alles in der C-Jugend. Beim SV Empor Berlin spielend, zog sich Unger eine leichte Knieverletzung zu und stellte sich während des Aufbautrainings gelegentlich ins Tor. Er machte seine Sache gut, so gut, dass er dort blieb.
Stefan Hildebrandt, heute Jugendkoordinator beim Hamburger SV, holte den gebürtigen Leipziger zum BFC Dynamo. Mit der B-Jugend spielte er dort in der Regionalliga. Nach nur einem Jahr bekam er ein Angebot von Jena. Dort kämpfte er sich in den Stamm der A-Jugendmannschaft und spielte dann zwei Jahre mit einem Amateurvertrag bei den Männern. Erst als Nummer drei, dann als Nummer zwei. "Ich hatte nie gesehen, dass ich dort die Nummer eins werden kann", erzählt Unger. Als dann das Angebot von Neuruppin kam, zog er einen Wechsel in Betracht. "Herr Lenz hat großen Anteil daran, dass ich heute beim MSV spiele." Er habe sich viel Zeit für ihn genommen, alles gezeigt und einfach überzeugend gewirkt.
Nach einer klasse Vorbereitung zog er sich ausgerechnet im Testspiel gegen Hertha BSC Berlin einen Meniskusriss im Kniegelenk zu und musste drei Wochen pausieren. Sein "Rivale" Daniel Schirrmeister hütete die folgenden Wochen das Tor. Das Verhältnis zwischen den beiden? - "Natürlich sind wir Konkurrenten, aber wir gehen sehr fair miteinander um." Das läge nicht zuletzt daran, dass sie beide sehr umgängliche Typen seien. "Ja, ich bin doch ein Netter", sagt Unger lachend. Aber dass er ein bisschen verrückt sei, dabei bleibt er. So hat er beispielsweise seiner Familie "Stadionverbot" erteilt. Seine in Leipzig lebenden Eltern kamen einmal zum DFB-Kickerpokal gegen Mönchengladbach. "Wir haben verloren und ich habe beschlossen, dass sie mir in dem Punkt kein Glück bringen." Jetzt fragen sie ihren Sohnemann lieber vorher, ob sie kommen sollen oder besser dürfen. Wenn es die Zeit erlaubt, fährt der gelernte Bürokaufmann lieber zu ihnen. "Die Familie ist mir sehr wichtig." Wenn die aufgrund des Fußballs etwas zu kurz kommt, zieht er sich in seine blumenreiche Wohnung zurück und zündet Unmengen von Kerzen an. Dann kommt er zur Ruhe und ist alles andere als ein abgedrehter Keeper: nämlich einfach ein netter, ausgeglichener Single.